Incidence:
43% aller Todesfälle in Österreich sind durch eine Herzkreislauferkrankung verursacht. Das sind über 32 000 Personen pro Jahr. Lau Statisik Austria 2009 wurden im Jahr 2008 312 941 Personen wegen Herz-Kreislauferkrankungen stationär behandelt. Patienten mit einer Herzerkrankung (I00-I99, ICD-10) stellen damit die größte Patientengruppe dar.
Nach Durchsicht verschiedener Studien schätzt G.Titscher (Psychokardiologie, Deutscher Ärzte Verlag, 2008, S 92), dass 20 -25 % dieser Patienten eine Anpassungs- oder Belastungsstörung (F43.0 – F43.25), kurz Traumatisierung , in der Folge zeigen.
Dies bedeutet dass bis zu 60 000 Patienten pro Jahr von einer Traumabehandlung profitieren könnten.
Psychische Reaktionen, speziell in Folge lebensbedrohlicher Erkrankungen, sind in der Medizin bekannt. Meist wird hier der Begriff: Psychoorganisches Durchgangssyndrom verwendet.
Psycho: weil eine Psychische Reaktion,
Organisch: da die Reaktion auf Grund einer organischen Erkrankung erfolgt,
Durchgangssyndrom: hier drückt sich die Hoffnung aus, dass die Symptome von selber wieder besser werden.
Bei Durchsicht der Publikationen ergibt sich folgendes Bild:
Die meisten Publikationen beschäftigen sich mit Trauma als Risikofaktor für eine Herzerkrankung.
Einige thematisieren die Herzerkrankung als Ursache für Traumatisierung.
Es gibt aber praktisch keine Publikationen zur Traumabehandlung nach einer Herzerkrankung.
Hier besteht ein großer Nachholbedarf.
Typische Symptome:
Enge in der Brust, Enge im Hals, Druck auf der Brust, Aufsteigende Hitze, Übelkeit, Atemnot, … Die somatischen Symptome ähneln einer Angina Pectoris, sind jedoch ohne organischen Befund und treten vor allem in Ruhe auf.
Zittern, weinen, erhöhte Erregbarkeit, Angst, Panik, …
Flashbacks, Gedankenkreisen bezüglich der Herzerkrankung.
Reduzierte Stresstoleranz: reizbar, aggressiv bis verzweifelt und weinerlich.
Behandlung:
In der Regel gehört die Traumatisierung in Folge eines Herzinfarktes zu den monotraumatischen Ereignissen. Insofern sind diese Traumatisierungen leichter zu Behandeln als Politraumen, Traumatisierungen durch Gewalt oder frühe Traumatisierungen in der Kindheit wie z.B. sexueller Missbrauch.
Trotzdem sollte jeder der Traumatisierungen behandelt, ob Psychotherapeut oder Klinischer- und Gesundheitspsychologe auch eine Ausbildung in Traumabehandlung haben (z.B. EMDR oder EDxTM).
Mag. Alexdander Urtz, Februar 2010 |